Schatten Springen Friedhöfe

Friedhöfe in Innsbruck sind großflächige Zonen, welche das Klima positiv wie negativ beeinflussen können. Es gibt vorbildhafte Grünzonen, aber auch ganz oft Kiesbedeckten Standardflächen, welche viel Potential in sich tragen.

Wir möchten dazu beitragen, dass den Stadtbewohnerinnen und Bewohnern das „Schattenspringen“ an heißen Sommertagen künftig leichter fällt. Deshalb zeigen wir Veränderungen auf, die mit konkreten, umsetzbaren Maßnahmen das Mikroklima im öffentlichen Raum nachhaltig verbessern..

Den Anfang machen wir indem wir die Hitze-Hotspots in Innsbruck im Bereich der Friedhöfe gemäß der Klimaanalysekarte des TIRIS identifizieren.

Projekt „Regionale Klimaanalyse Inntal“ | Land Tirol

Irgendwo muss begonnen werden – und gerade hier ist das Potenzial für spürbare Verbesserungen besonders groß.

Unsere Visualisierungen zeigen, wie bereits kleine Maßnahmen zur Entsiegelung und Begrünung die Aufenthalts- und Lebensqualität verbessern können. Sie dienen als Denkanstoß für eine klimaangepasste Gestaltung mit mehr Grün, besserer Regenwasserversickerung und geringeren Oberflächentemperaturen – zum Vorteil von Bevölkerung, Gewerbe und öffentlichen Einrichtungen.

F1

Friedhof Wilten

Vorher / Nachher

Vorher / Nachher

Infopoint

Unser erster Infopoint wurde im Zentrum Friedhof Wilten als eigenständige Insel aufgestellt, um den Besuchern und Besitzern aufzuzeigen, was möglich wäre, um die Stadt lebenswerter zu gestalten.

Der Upcycling-Kübel mit den geretteten Pflanzen ist unser Eyecatcher, um auf die Beschilderung aufmerksam zu werden.

Die historische Entwicklung der Innsbrucker Friedhöfe

Die Geschichte der Innsbrucker Friedhöfe reicht bis ins Mittelalter zurück. Ursprünglich wurden die Verstorbenen vor allem im unmittelbaren Umfeld der Kirchen bestattet. Im Zentrum Innsbrucks befand sich der älteste städtische Friedhof rund um die damalige Stadtkirche St. Jakob, den heutigen Dom. Die Gräber waren zunächst meist schlicht und durch Holzkreuze gekennzeichnet. Mit dem Bevölkerungswachstum und der zunehmenden Verdichtung der Stadt wurden diese innerstädtischen Begräbnisplätze jedoch immer problematischer.

Bereits 1509/1510 entstand beim Heilig-Geist-Spital ein größerer städtischer Friedhof im Bereich des heutigen Adolf-Pichler-Platzes. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieser mehrfach erweitert. Im 18. Jahrhundert führte schließlich die zunehmende Sorge um Hygiene und Gesundheit zu einem grundlegenden Wandel: Unter Kaiser Joseph II. wurde 1784 angeordnet, Friedhöfe aus den dicht bebauten Stadtgebieten hinauszuverlegen.

Der entscheidende Schritt erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts. Der alte Spitalsfriedhof war zu klein geworden und lag mittlerweile mitten in der wachsenden Stadt. 1855 wurde deshalb die Verlegung nach Wilten genehmigt; 1856 wurde der neue Stadtfriedhof eröffnet – der heutige Westfriedhof. Die Anlage wurde als großzügiger Camposanto mit umlaufenden Arkaden gestaltet. Damit entstand einer der bedeutendsten historischen Friedhöfe Innsbrucks.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte auch eine stärkere Trennung zwischen städtischen und kirchlichen Friedhöfen. In den ehemaligen Dörfern und heutigen Stadtteilen wie Hötting, Mühlau, Arzl, Amras, Igls und Wilten bestanden weiterhin traditionelle Pfarr- und Kirchenfriedhöfe. Gleichzeitig entstanden neue Friedhofsanlagen, die mit dem Wachstum der jeweiligen Gemeinden Schritt hielten. Ein Beispiel ist der Wiltener Friedhof, der 1876/77 angelegt wurde, nachdem der alte Pfarrfriedhof bei der Wiltener Kirche zu klein geworden war.

Mit dem weiteren Wachstum Innsbrucks wurde schließlich ein zweiter großer städtischer Friedhof notwendig. 1912 wurde der Ostfriedhof in Pradl eröffnet. West- und Ostfriedhof entwickelten sich damit zu den beiden zentralen städtischen Hauptfriedhöfen, während die kleineren Friedhöfe der einzelnen Stadtteile ihre lokale Bedeutung behielten.

Auch die Bestattungskultur veränderte sich im 20. Jahrhundert. Neben den klassischen Erdgräbern entstanden Urnenanlagen und andere Formen der Feuerbestattung. Auf dem Westfriedhof wurde bereits 1927 ein Urnenhain angelegt. Heute setzt sich dieser Wandel fort: Die Stadt Innsbruck reagiert auf die zunehmende Bedeutung der Feuerbestattung mit neuen Urnenanlagen.

Die Innsbrucker Friedhöfe sind damit weit mehr als reine Begräbnisstätten. Sie spiegeln die Stadtentwicklung, die Veränderung religiöser und gesellschaftlicher Vorstellungen sowie die Geschichte bedeutender Innsbrucker Familien und Persönlichkeiten wider. Historische Grabmäler, Soldatengräber, jüdische und evangelische Begräbnisstätten sowie Gedenkstätten machen die Friedhöfe zu wichtigen Orten des kulturellen Gedächtnisses der Stadt.

Die folgenden Beispiele sollen zeigen, wie eine schrittweise Entsiegelung im Stadtgebiet langfristig zur Klimaanpassung, zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und zu einer nachhaltigeren Entwicklung des öffentlichen Raums beitragen kann.

GuteBeispiele.pdf


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