Hall in Tirol – Bereits über 50 Jahren gibt es in der mittelalterlich geprägten Stadt einen Eislaufplatz für Jung und Alt.
Viele schöne Erinnerungen sind verknüpft mit diesem Raum, dem Eissport und den vielen Freundschaften, die an diesem Ort geschlossen wurden.
Seit 2023 steht der Platz nun still. Eingezäunt, kein Zugang, Unklarheit ob es hier je wieder eine Wiedereröffnung geben wird.




Doch aktuelle rührt sich was in der Stadtpolitik, denn aufgrund der Einsparungen der letzten Jahre, soll es zu einer finanziellen Verbesserung gekommen sein. Nun werden Ideen geprüft, wie man diesen Fläche revitalisieren könnte.
Die LEERErinnen haben diesen temporären Leerstand aufgegriffen, um ihre eigenen Ideen zu spinnen, den Raum zu erkunden und auf ihre ganz eigene Weise zu füllen.
history – Entleerung
Der Surerpark in Hall in Tirol war schon vor dem heutigen Erscheinungsbild ein Treffpunkt für Kinder, Jugendliche und Sportbegeisterte.
Bevor hier 1998 die Poschhauptschule erbaut wurde, standen auf dem Gelände eine große Turnhalle des Turnvereins Hall 1862, im Winter ein Eislaufplatz und ein Spielplatz.
Der Name „Surerpark“ geht auf das historische Surer‑Schlössl und die dazugehörigen Surergründe zurück – ein alter Hof- bzw. Familienname, der in Hall und Thaur mehrfach belegt ist.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kaufte die Solbadgesellschaft Hall das Surer‑Schlössl, um dort ein modernes Solbad und ein Kurhotel zu errichten. Das Schlössl wurde 1912 abgerissen, doch die Pläne änderten sich: Das große Kurzentrum entstand schließlich weiter nördlich am Thurnfeld, umgeben vom heutigen Kurpark. Das ursprüngliche Areal im Süden – der spätere Surerpark, früher auch Poschgarten genannt – blieb jahrzehntelang unbebaut und wurde unterschiedlich genutzt.
Grundstücksschenkungen zwischen 1925 und 1932 durch Marianne Recheis (Solbadgesellschaft m.b.H.) und Hugo Seidner an den Turnverein ermöglichten den Bau einer Turnhalle und die Nutzung der umliegenden Flächen als Sport- und später auch als Eislaufplatz.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Turnhalle beschlagnahmt und durch Bombardierungen beschädigt.
Ab den 1970er-Jahren war der Poschgarten eine wilde, halboffene Grünfläche: ein rauer, aber beliebter Treffpunkt der „Gassenkinder“ – Kinder aus Arbeiterfamilien, ein Schotter-Fußballplatz, Moped-Hotspot und Winter-Eislaufplatz – im deutlichen Kontrast zum gepflegten Kurpark im Norden.

Ab den 1990er-Jahren verhandelte der Turnverein mit der Stadt Hall über eine neue Nutzung des Areals. 1992 wurde der Bau einer Tiefgarage unter dem Eislaufplatz vereinbart. 1994 entstand schließlich der Plan, das gesamte Gelände neu zu gestalten: mit Schul- und Sportkomplex, neuer Turnhalle und Tiefgarage. Auf dieser Grundlage wurde der heutige Surerpark als moderner öffentlicher Freiraum geschaffen.
Die Architekten Sandbichler setzten dann dieses Projekt um und schufen ein neues Gesamterscheinungsbild mit klar abgesteckten Funktionen.

Der Eislaufplatz oberhalb der Tiefgarage wurde nur im Winter genutzt und stand den Rest des Jahres leer. Aufgrund steigender Energiekosten, Beschädigungen am Kühlsystem und der immer wärmeren Temperaturen im Winter stand der Platz dann 2022 vor dem Aus.
Bewusstsein für Leere
Die Bevölkerung ist sich des Leerstandes bewusst. Man geht am eingezäunten Areal vorbei und fragt sich, was das soll.
Raum, der eigentlich genutzt werden könnte, wird isoliert und fristet eine einsames Dasein. Die Flugsamen verbreiten sich, Gräser, Sträucher, Bäume schießen aus dem Boden und verwandeln die einst cleanen Oberfläche in ein verwildertes Areal.


Raum fassen
Was passt da überhaupt alles rein, fragen wir uns und versuchen es dann einfach aus.
Eine standardmäßige Eishockeyfläche misst etwa 60 mal 30 Meter. Um diese gigantische Fläche von rund 1.800 Quadratmetern greifbar zu machen, helfen Alltagsgegenstände, die fast jeder kennt.
12 Linienbusse: Parkt man typische Stadtbusse dicht an dicht, füllen etwa ein Dutzend davon die gesamte Eisfläche aus.
4,5 Basketballfelder: Das Spielfeld der NBA-Profis wirkt daneben klein, denn es passt viereinhalbmal in die Eisbahn.
100 XXL-Matratzen: Legt man riesige Doppelbetten lückenlos nebeneinander, benötigt man ein riesiges Lager von einhundert Stück.
70 Pkw-Parkplätze: Die Eisfläche entspricht der Größe eines kompletten Supermarkt-Parkplatzes für rund siebzig Autos.
Ein überdimensional großes Plüschtier oder ein schlafendes Monster?

Flugzeug auf Eisfläche
Ufo?
Mehr zur Natur
leeren Eislaufplatz als Raum zu nutzen, in dem sich die Natur in Abwesenheit des Menschen entfalten darf.
Mögliches Szenario:
Durch Klimawandel, Abholzung, Umweltverschmutzung und Artensterben könnten große Teile der Erde ihre ökologische Stabilität verlieren. Fruchtbare Böden werden unbrauchbar, Bestäuber wie Bienen verschwinden, Süßwasser wird knapp und viele Pflanzen- und Tierarten sterben aus. In einer solchen Situation könnten die letzten intakten Wälder, Feuchtgebiete oder Korallenriffe eine entscheidende Rolle für das Überleben der Menschheit spielen: Sie speichern Wasser, reinigen die Luft, stabilisieren das Klima und erhalten genetische Vielfalt, die für die Landwirtschaft oder Medizin wichtig sein könnte.
Dann könnte es notwendig werden, bestimmte Naturräume vollständig zu sperren – nicht nur für Tourismus, sondern auch für Besiedlung, Rohstoffabbau und Landwirtschaft. Die Gebiete würden als ökologische „Lebensversicherung“ der Menschheit dienen. Jede zusätzliche Störung könnte ihre Funktionen gefährden und damit die Chancen verringern, dass sich Umwelt und Gesellschaft langfristig erholen.
Ein historisches Beispiel in kleinerem Maßstab ist die Übernutzung von Fischbeständen. In einigen Regionen mussten Fangverbote und Schutzgebiete eingerichtet werden, weil die Bestände kurz vor dem Zusammenbruch standen. Übertragen auf globale Ökosysteme könnte eine ähnliche Logik gelten: Kurzfristige Einschränkungen für Menschen, um langfristig die natürlichen Grundlagen menschlichen Lebens zu sichern.
Mögliche Gegenbewegung:
Koexistenz von Mensch und Natur durch Konzepte wie Rewilding mit menschlicher Begleitung, die International Union for Conservation of Nature-Kategorie der „Protected Landscapes“ oder die Idee der „Working Landscapes“, in denen Naturschutz und menschliche Nutzung kombiniert werden.
Nicht die Abwesenheit des Menschen sichert die Natur, sondern die Veränderung des menschlichen Verhaltens.



Gemeinsam Einsam
leeren Eislaufplatz als Raum zu nutzen, in dem jeder in sein Smartphone versinken kann
Smartphones vermitteln den Eindruck ständiger Verbundenheit, können aber gleichzeitig zur Vereinsamung beitragen. Viele digitale Kontakte bleiben oberflächlich, während echte, tiefere soziale Beziehungen seltener gepflegt werden.
Hinzu kommt die Rolle von Algorithmen: Sie bestimmen, welche Inhalte wir sehen, und beeinflussen damit unsere Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Obwohl es sich nach freier Wahl anfühlt, werden Entscheidungen oft indirekt gesteuert – etwa durch personalisierte Feeds, die auf maximale Nutzungsdauer ausgelegt sind.
Dadurch entsteht eine subtile Form der Fremdbestimmung. Nutzer bewegen sich in vorgefilterten Informationsräumen, die ihr Verhalten verstärken und kaum bewusst verlassen werden. So kann sich ein Kreislauf entwickeln, in dem digitale Nutzung soziale Isolation eher fördert als verhindert.
Mögliches Szenario:
Das Smartphone könnte sich zu einem permanenten digitalen Begleiter weiterentwickelt – etwa in Form von Kontaktlinsen, Gehirn-Computer-Schnittstellen oder erweiterten Realitäten. Jeder Mensch trägt seine eigene, perfekt auf ihn zugeschnittene digitale Welt ständig vor Augen. Algorithmen liefern Unterhaltung, Gespräche, Bestätigung und individuelle Inhalte in Echtzeit.
Eine Gruppe von Menschen sitzt gemeinsam in einem Raum, doch niemand nimmt die anderen wirklich wahr. Jeder blickt in seine personalisierte Realität, spricht mit KI-Assistenten oder virtuellen Freunden und erhält genau die Reize, die ihn am längsten beschäftigen. Gespräche, Diskussionen oder gemeinsame Erlebnisse werden überflüssig, weil die digitale Welt jederzeit angenehmer und konfliktfreier erscheint als echte zwischenmenschliche Begegnungen.
Obwohl die Menschen physisch nebeneinander existieren, leben sie faktisch in voneinander getrennten Wirklichkeiten. Gemeinschaft wird durch Individualisierung ersetzt, soziale Bindungen verlieren an Bedeutung, und jeder bewegt sich in einer von Algorithmen geschaffenen Komfortzone. Die Gesellschaft zerfällt nicht durch offene Konflikte, sondern durch die schleichende Auflösung gemeinsamer Erfahrungen. Am Ende existieren Menschen zwar noch miteinander, aber nicht mehr füreinander.
Mögliche Gegenbewegung:
Je stärker Technologie das Leben bestimmt, desto größer wird oft das Bedürfnis nach dem, was verloren geht.
In einem solchen Szenario könnten sich Gemeinschaften bilden, die bewusst auf permanente digitale Vernetzung verzichten. Analoge Treffen, gemeinsame Aktivitäten, direkte Gespräche und technikfreie Räume würden zu einem besonderen Wert werden. Ähnlich wie heute Bio-Lebensmittel oder Nachhaltigkeit als Reaktion auf industrielle Entwicklungen entstanden sind, könnte „digitale Selbstbestimmung“ zu einem gesellschaftlichen Ideal werden.
Möglicherweise würden ganze Gemeinschaften oder Städte Regeln schaffen, die den Einsatz solcher Technologien einschränken. Echte Begegnungen, gemeinschaftliche Rituale und unmittelbare Erfahrungen könnten wieder als Ausdruck von Freiheit gelten. Während die Mehrheit in personalisierten digitalen Welten lebt, würde eine Minderheit versuchen, gemeinsame Realität und menschliche Nähe zu bewahren.
Der zentrale Gedanke dieser Gegenbewegung wäre: Nicht jede technische Möglichkeit muss genutzt werden. Wahre Freiheit bedeutet dann nicht, jederzeit mit Algorithmen verbunden zu sein, sondern die Fähigkeit zu besitzen, sich ihnen bewusst entziehen zu können. Dadurch könnten persönliche Begegnungen zu etwas Seltenem werden – und gerade deshalb besonders wertvoll.

Absurde Instinkte des Menschen
Die Frage ist berechtigt, ob es in Zukunft noch mehr Arbeitslosigkeit aufgrund der Weiterentwicklung durch KI und Robotic geben wird.
Was fangen wir Menschen dann mit unserer Zeit an?
Wie verhalten sich unsere Instinkte und gibt es diese überhaupt noch? Ist es besser, dass wir in Beschäftigung sind, auch wenn dies keinen Zweck hat?
Grabdrang
leeren Eislaufplatz als Raum zu nutzen, seinem Drang, in die Tiefe zu gehen, nachzukommen
Es gibt im Menschen eine fast instinktive Sehnsucht, sich in die Erde zu graben – etwas zu öffnen, unter die Oberfläche zu gehen, ins Verborgene vorzudringen. Dieses Bedürfnis wirkt älter als Vernunft, eher körperlich als gedanklich.
Man sieht etwas Ähnliches bei Tieren wie Hunden, die ohne erkennbaren Zweck scharren und graben. Als folge ein altes, animalisches Muster: sichern, verstecken, erkunden.
Beim Menschen wird daraus mehr als Verhalten – es wird Bedeutung. „In die Tiefe gehen“, „etwas ergründen“: Schon unsere Sprache verbindet Erkenntnis mit dem Abstieg ins Dunkle. Vielleicht, weil wir glauben, dass das Wesentliche nicht oben liegt, sondern darunter.

Geld
Offiziell liegt alles immer daran, dass zu wenig Geld da ist.
Doch sollte hier die Gesellschaft nicht mehr eingebunden werden?
Freiwilliger Einsatz hat in der Geschichte diesen Ort dazu gemacht, der er heute ist. Junge Leute haben damals den Raum in Beschlag genommen, weil ihnen die Möglichkeit geboten wurde. Es wurden Ideen ausgelotet und Erinnerungen geschaffen. Damals gab es noch nicht so viele Verbote und diese Freiheit hat das Leben vieler bereichert.


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