was ist die Hoffnung?

Die LEERErINNEN zu Gast bei:

Basis der Installation ist die Hoffnung in Form eines Polsters, gewebt aus Stromkabeln, Abfälle der digitalen Welt. Im Polster liegen unsere Träume und somit unsere Hoffnungen, Befürchtungen und Erwartungen (unsere ELPIS)

Durch die historischen Texte wird auf die Aktualität dieses Wortes hingewiesen.

Im Mythos von Pandora gibt es unterschiedliche Interpretationen darüber, ob die Hoffnung als Übel oder als Trost angesehen werden kann.

Laut Hesidos „Werke und Tage“ (8.Jh.v.Chr.) ließ Zeus Pandora als Strafe für die Menschheit erschaffen, nachdem Prometheus den Menschen das Feuer gebracht hatte. Er gab ihr eine Büchse (oder ein Gefäß), die alle Übel der Welt enthielt. Als Pandora sie öffnete, entkamen Krankheiten, Sorgen und andere Plagen – doch die Hoffnung blieb als Einzige im Gefäß zurück, weil zuvor der Deckel wieder geschlossen wurde.

Ist die Hoffnung ein Übel?

Es gibt zwei zentrale Deutungen:

  1. Hoffnung als Trost: Die Hoffnung blieb in der Büchse zurück, damit die Menschen trotz des Leids weiterleben und auf Besserung hoffen können.
  2. Hoffnung als weiteres Übel: Manche Interpretationen (Z.B. Nietzsche ) sehen die Hoffnung als Teil von Zeus` Strafe – ein Übel, das die Menschen daran hindert, ihre Realität zu akzeptieren und sie in falsche Erwartungen verstrickt.

„Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.“

In Hesiods ursprünglichem Text wird nicht ausdrücklich gesagt, dass Zeus die Hoffnung als Übel hineingegeben hat, nur dass sie in der Büchse blieb. Ob das ein Zeichen von Zeus` Gnade oder eine raffinierte List war, bleibt offen.

Die Natur hat sich mit der Zeit mit eingebracht.

Hesiod – Ausschnitt

Prometheus und Pandora

Aber es barg sie Zeus, gar mächtig ergrimmt im Gemüte,
weil, in Ränken gewandt, Prometheus arg ihn betrogen.
Darum ersann er dem Menschengeschlecht mühseliges Elend,

Ohne Verzug dann hieß er den herrlichen Künstler Hephaistos
Erde mit Wasser vermengen, mit menschlicher Stimme und Stärke
Weiter begaben und ähnlich den Göttinnen selber von Antlitz
Formen ein hold Jungfrauengebild; dann sollte Athene
Weislich sie lehren, vor allem des Webstuhls künstliche Arbeit;

Aber ums Haupt sollt‘ ihr Aphrodite, die goldene, hauchen
Anmut, bangendes Sehnen und gliederzehrende Sorgen;
Ihr noch keckes Gebaren und gleißenden Sinn zu verleihen
Trug er dem Hermes auf, dem geleitenden Argoswürger.

Also Zeus; und jene gehorchten sogleich dem Gebieter.

Berthold Brecht – Ausschnitt

Antigone des Sophokles

Die Alten:

Bibel – Ausschnitt

Der Mensch ein Bild Gottes

Und Gott sprach: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.


Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib. 

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

Und Gott sprach: Seht da, ich habe euch gegeben allerlei Kraut, das sich besamt, auf der ganzen Erde und allerlei fruchtbare Bäume, die sich besamen, zu eurer Speise, 

und allem Getier auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das da lebt auf Erden, daß sie allerlei grünes Kraut essen. Und es geschah also. 

Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.


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